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  • Feuerwehr in Not – Mein Besuch in der Wache Oderberger Straße

    Immer wieder kommt es in Berlin zu gewalttätigen Übergriffen auf Rettungskräfte der Feuerwehr. Meldungen, wie wir sie zuletzt Anfang Februar oder in der Silvesternacht gehört haben, entsetzen mich und haben mich dazu veranlasst mir im persönlichen Gespräch mit den Feuerwehrleuten ein Bild zu machen. Am Europäischen Tag des Notrufs 112, am 11.2., habe ich die Berliner Feuerwache in der Oderberger Straße im Prenzlauer Berg besucht, nebenbei mit 135 Jahren die älteste noch im Betrieb befindliche Feuerwache Deutschlands.

    Zwar liegt die Wache im Prenzlauer Berg nicht im Brennpunkt des Geschehens, wenn es um Übergriffe geht, dennoch berichten die Feuerwehrleute auch hier von unzähligen Pöbeleien und Beleidigungen, von Behinderungen und vereinzelten tätlichen Angriffen. Sie beklagen insgesamt eine zunehmende Respektlosigkeit bei gleichzeitig erhöhter Anspruchshaltung der Bevölkerung. Und das vor dem Hintergrund einer extrem hohen Arbeitsbelastung mit steigenden Einsatzzahlen, großen Personalmangels und einem überwiegenden Anteil an Fehlalarmen. Mit 2000 Einsätzen pro Monat ist die Wache im Prenzlauer Berg stark belastet. Mehr als die Hälfte bis drei Viertel dieser Einsätze rechtfertigt jedoch keinen Notruf. Eine erschreckend hohe Zahl. Die Feuerwehrleute berichten mir etwa von Notrufen zu Sonnenbrand, Nahrungsverweigerung und Bagatellverletzungen, die keinen Rettungswageneinsatz erfordern.

    Ganz abgesehen davon, dass diese Vielzahl an nichtigen Anrufen bei der Notrufnummer die Leitungen verstopft für all diejenigen, die wirklich Hilfe brauchen, führt diese Situation zu Frust auf allen Seiten. Für die Feuerwehrleute, die wegen jeder Kleinigkeit ausrücken müssen, wird die Qualität ihrer Arbeit entwertet und ihre Arbeitszufriedenheit sinkt. Wer auf einen Rettungseinsatz länger als üblich warten muss, konfrontiert Rettungskräfte mit Respektlosigkeit oder gar tätlicher Aggression. Anzeigen, die in diesem Zusammenhängen gestellt werden, führen allzu häufig zu nichts. Hinzu kommt das von den Beamten geäußerte Gefühl, von ihrem Dienstherrn, den zuständigen Politikern, mit ihren Sorgen nicht ausreichend gehört oder allein gelassen zu werden.

    Was können wir tun, um die Lage für die Rettungskräfte zu verbessern? Bei einigen Punkten sehe ich Ansatzpunkte, die wir Politiker*innen ergreifen können, bei anderen sehe ich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wie können wir wirksam gegen missbräuchlichen Notruf vorgehen? Wie lässt sich das Angebot anderer Hilfsmöglichkeiten und ihre Akzeptanz steigern – etwa die Notrufnummer 116 für Notärzte der kassenärztlichen Vereinigung in Berlin? Wie können wir den Rechtsbeistand von Feuerwehrleuten stärken, so dass sie nicht erst zivilrechtliche Schritte ergreifen müssen, um bei ihrer Dienstausübung geschützt zu sein? Was können wir alle tun, um der Arbeit der Rettungskräfte mehr Respekt entgegenzubringen? Und vor allem: Was müssen wir unternehmen, um Jugendliche für diesen Beruf zu begeistern und die Rahmenbedingungen zu verbessern?

    Der Besuch in der Wache im Prenzlauer Berg hat mir eindringlich gezeigt, dass uns der Schutz und der Respekt für unserer Rettungskräfte mehr wert sein MUSS. Ich werde mich für ihre Themen einsetzen.