Einzelhandelstour im Bötzowkiez

Mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop war ich unterwegs im Bötzowkiez; gewissermaßen auf Shop(ping)-Tour. Wir haben mit vielen Einzelhändler*innen und Gewerbetreibenden über die Corona-Krise, die Folgen und den Neustart gesprochen.

Im Buchladen zu Hause: Ramona Pop

Das Bötzowviertel ist für mich schon immer ein besonders schönes Beispiel von urbanem Leben: Wohnen, Nachbarschaft, Lebendigkeit und ein bunter Einzelhandel. Die Läden, die Restaurants, die Cafés, die Straßenbüros, die Bäckereien, die Spätis… – all sie geben dem Quartier sein Gesicht.

Das Kulturbüro Causales schmückt den Kiez mit einer Regenbogen-Europa-Flagge 🙂

Dass dieses Gesicht nach der Krise nicht ramponiert ist, das verdanken wir vor allem dem unendlichen Engagement der Betreiber*innen vor Ort, ihrer Verankerung im Kiez und der starken Kundenbindung, die sich die Leute über die Jahre erarbeitet haben. Aber auch ein bisschen den Hilfen, die wir im Parlament auf den Weg gebracht haben.

Jennifer Nölken, Betreiberin des Geschäfts „Kunstschule“ Ecke Esmarch, berichtete zum Beispiel, dass sie die Hilfen megaberuhigend fand. Mittlerweile hat sie sogar zurücküberwiesen. Die „Kunstschule“ hat die Krise recht gut überstanden.

Läden, wie die Kunstschule, prägen den Kiez. Einer wie keiner. Gibts nicht nochmal. Nur hier.

Aber es gab eben auch genügend Probleme, nicht zuletzt mit Bürokratie und Verwaltung.

Jan Köster von der „Buchbox“ erzählte, dass es eine große Herausforderung gewesen sei, die Maskenpflicht und andere Coronaregeln durchzusetzen. Hier war das Ladenpersonal ganz auf sich allein gestellt und so manches Mal, verständlicherweise, mit den Nerven komplett am Ende. Da hätte man zum Beispiel vom Ordnungsamt mehr erwartet. Oder dass Buchhändler*innen, wenn die Läden schon als wichtige Kulturtankstellen eingestuft und offen gehalten werden konnten, auch als systemrelevant eingestuft wurden, um ihre Kinder in der Kita betreuen lassen zu können.

Läden wie die Buchbox achten darauf, andere nicht zu kannibalisieren. Im Bötzowkiez ist Luft für mehrere Buchhandlungen.

Ein Aufreger für Restaurants und Cafés ist, dass Pankow den Wirt*innen die corona-bedingt erlassene Straßensondernutzungsgebühr erst später zurückzahlen wird. Das sorgt für Unmut. Jeder Groschen ist jetzt wichtig.   

Zumal alle unisono berichten, dass von Vermietern überhaupt kein Entgegenkommen zu erwarten gewesen sei. Mietnachlass? Dafür sei schließlich die Politik zuständig. Nun, das Thema Gewerbemieten müssen wir ganz dringend, vor allem auf Bundesebene, angehen.

Und natürlich muss der Versandhandel stärker in die Pflicht genommen werden.

„Wir sind auch noch so nett (und so doof), die Päckchen für die Nachbarn entgegenzunehmen“, sagt Ulrike Sachse vom Wasserkontor.

Unterstützung braucht der stationäre Einzelhandel auch bei den Belangen der Geringverdiener.

Es gibt viel zu tun für die Politik. Aber auch jede*r Einzelne kann was tun. Kauft im Kiez und vor allem: lassen Sie sich impfen! Noch ein Lockdown: Bloß das nicht!

Die Läden im Kiez sind essenziell wichtig.

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