Mein Lieblingsort in Mitte?
Um es vorweg zu nehmen: Ich habe nicht den einen Lieblingsort. Und auch keine Lieblingsfarbe, keinen Lieblingsfilm, kein Lieblingsbuch – und würde es wahrscheinlich auch nicht verraten, wenn ich es hätte. Aber es gibt einige Orte, die für mich besonders sind wegen der Menschen und ihren Themen und weil ich etwas mit ihnen zu tun hatte. Ein Ort ist nie mehr derselbe, wenn man sich mit für ihn verantwortlich fühlt.
Das Monbijou Theater
Das Monbijou-Theater sollte verschwinden, hatte ich gehört, bevor ich im Bezirk Verantwortung übernommen habe. Ich konnte es kaum glauben: dieser entzückende, leicht chaotisch-kreative Ort freier Kunst und Kultur, direkt an der Museumsinsel, immer pulsierend, immer in Aktion – gerade im Kontrast zum Weltkulturerbe nebenan – genau das, was für mich Berlin ausmacht und jedes Jahr Millionen Menschen anzieht.
In Verantwortung erfuhr ich mehr über die Herausforderungen mit dem Standort und wie schwierig es ist, die in den 90er Jahren kreativ eroberten Orte dauerhaft zu sichern. Umso wichtiger war es, Lösungen zu finden: am guten alten Runden Tisch ist es gelungen, Ämter und Humboldt-Universität zusammenzubringen und das Monbijou-Theater bis auf Weiteres zu retten.
Der Leopoldplatz
Ja, der Leo ist mir ans Herz gewachsen, mit all seinen Schwierigkeiten, aber eben auch mit all seinen Stärken und Schönheiten. Kein Ort im Bezirk hat mich mehr beschäftigt, gestresst, gefreut und überrascht. Heute ist er für mich einer der lebendigsten und spannendsten Ort der Stadt. Ich kenne keinen anderen Platz, der von so vielen unterschiedlichen Menschen aller Generationen so intensiv genutzt wird: zum Spielen, Kaffee trinken, über Märkte schlendern, Feste feiern, in den Gottesdienst gehen, das Bürgerbeet pflegen oder einfach zum Ausruhen in der Hollywoodschaukel.
Die Probleme sind damit natürlich nicht verschwunden. Für Drogenkonsumierende haben wir immer noch keine Unterkunft gefunden haben, um sie von der Straße zu holen und besser versorgen zu können. Und trotzdem behaupte ich: der Leo ist wirklich wieder ein Platz für alle geworden. Ein Platz, an dem ich einfach immer mal vorbeischauen muss.
Die Hansabibliothek
Ich lese gern und deshalb mag ich Bibliotheken besonders. Unsere Bezirksbibliotheken sind alle wunderbare Orte und zum Glück werden sie auch intensiv genutzt.
Die Hansabibliothek im gleichnamigen Viertel ist für mich ein echtes Kleinod, wegen ihrer Lage und Architektur. Sie entstand im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) 1957 nach Plänen von Werner Düttmann. Auf den ersten Blick wirkt sie eher unauffällig und ein wenig verloren auf dem großen Platz im Zentrum des Viertels.
Doch ihr besonderer Reiz entfaltet sich erst im Inneren: die Bibliothek ist rund gebaut, um einen Innenhof herum, der zugleich Garten und Leseoase ist. Drinnen und Draußen trennt nur Glas. Und diese großen Glasfenster können sogar noch im Boden versenkt werden, so dass der Übergang vollends fließend wird. Einfach wunderschön.
Der Puttensaal
Mit dem Puttensaal benenne ich hiermit eine zweite Bibliothek als Lieblingsort meinerseits: die Bibliothek am Luisenbad. Zugleich ist der Puttensaal einer unserer größten und schönsten Veranstaltungsorte. Auch ich nutze ihn immer wieder, wenn ich Gästen was Schönes bieten und Wertschätzung zeigen will. Das Besondere ist nicht die Architektur. Es sind die Mitarbeiter*innen, die uns stets strahlend und freundlich empfangen und umsorgen.
Anti-Kriegs-Museum
Noch so ein Kleinod: das älteste deutsche Anti-Kriegs-Museum in der Brüsseler Straße im Wedding, betrieben von der Familie des Gründers – inzwischen in dritter, vierter und fünfter Generation. So familiär fühlt es sich auch an: eher eine liebevoll gepflegte Wohnung als ein klassisches Museum. Ich glaube, genau das trägt das Museum durch die Stürme der Zeit. Wichtiger denn je erscheint mir wieder: das Wissen um die Bedeutung von Kunst, Familie und Liebe. Und der feste Wille, den Glauben an das Gute im Menschen nicht zu verlieren.