Der Leopoldplatz im Wedding ist ein Ort der Vielfalt. Hier treffen sich unterschiedlichste Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen: Kinder wollen spielen und Sport treiben, Erwachsene nutzen die Geschäfte, Cafés und Restaurants. Obdachlose und Suchtkranke suchen Aufenthalt und Hilfe. Kirchen und Märkte prägen das Bild. All diese Interessen konfliktfrei zu vereinen, ist eine große Herausforderung.
Die Krise und unsere Antwort
Als Crack als Droge Einzug hielt und Drogenkriminalität das Geschehen dominierte, war klar: Dieses Problem können wir als Bezirk nicht allein lösen. Gegen organisierte Kriminalität reichen Sozialarbeiter nicht aus. Über einen Sicherheitsgipfel erhielten wir die nötigen Ressourcen vom Land und setzten unser Vier-Säulen-System um:
Prävention
Repression
Starkes Hilfesystem
Kulturelle Belebung
Die Polizeiarbeit wurde neu organisiert und intensiviert – die Zahl der Polizeistunden vervierfacht. Doch Polizei allein kann nur den Platz von akuter Bedrohung befreien. Das wäre instabil und würde immer noch ein Angstraum sein.
Prävention und kulturelle Belebung
Hier setzen unsere weiteren Maßnahmen an: Infopoints und ein Platzteam sind für alle Fragen da, informieren über Veranstaltungen, halten den Platz sauber und überwachen die öffentliche Toilette.
Stefanie Remlinger
Kulturelle Belebung bedeutet: Events und Aktivitäten schaffen, für die es sich lohnt, zum Platz zu kommen. Wir haben Spiel- und Sportplätze angelegt und ein Café gebaut, in dem auch Sozialberatung stattfindet. Dort bieten unser Partner Wendepunkt e.V. zum Beispiel Reparaturwerkstätten, gemeinsames Nähen, Radfahrkurse und Konzerte an.
Als Bezirk veranstalten wir u.a. das "Rathaus vor Ort", das Müllfest und beteiligen uns an der Fête de la Musique. Diese Events ergänzen die Märkte und bringen neue Kunden zu den Gewerbetreibenden. Besonders beliebt ist unsere Weihnachtsbeleuchtung.
Der Erfolg ist sichtbar
Das alles zeigt Wirkung: Familien nutzen den Platz wieder, die Spielplätze sind voll, die Cafés gut besucht. Es ist wieder ein Platz für alle.
Was noch fehlt: Das Haus der Hilfe
Aber wir sind noch nicht fertig. Wir haben die Suchthilfe intensiviert und einen Drogenkonsumraum bereitgestellt. Was wir aber eigentlich brauchen und wofür ich kämpfe, ist ein Haus der Hilfe – ein Ort, wo Suchtkranke alles finden, was sie brauchen:
- Tages- und Nachtunterbringung
- Duschen und Kleiderkammer
- Medizinische Betreuung
- Konsum- und Substitutionsmöglichkeiten
- Suchtberatung
Jahrelang haben wir als Bezirk vergeblich nach einem Vermieter gesucht. Jetzt gibt es ein Hoffnungsfenster an der Drontheimer Straße. Das muss einfach klappen – wo, wenn nicht da?
Kulturelle Belebung am Leopoldplatz
Wieviel Kraft in der Kunst steckt konnte ich bis jetzt kaum irgendwo deutlicher spüren als am Leopoldplatz in den letzten zwei, drei Jahren. Zum Beispiel bei den Vernissagen unserer Galerie Wedding, aber auch bei allen kulturellen Events auf dem Platz selbst. Immer wurde Publikum angelockt, das sich sonst – zumindest nach meiner Wahrnehmung – nicht an diesen Orten aufhielt. Besonders fiel mir die deutlich höhere Zahl an Frauen auf, viele sogar allein unterwegs, die immer nur während der Veranstaltungen kamen und verweilten. Wenn und solange Kunst stattfand, fühlte sich der Platz sicher an. Nicht zuletzt diese Beobachtung führte dazu, dass ich für einen Kunst-Etat auch im Rahmen des Sicherheitsgipfels warb. „Kulturelle Belebung“ wurde zu einer Säule unseres 4-Säulen-Konzepts für den Leo als Platz für Alle. Erst durch die Kultur und die Belebung verlor der Leo seinen Charakter als Angstraum.
Stefanie Remlinger
Nicht nur am Leopoldplatz, auch an anderen Orten des Bezirks, wo die nachlassenden Kundenfrequenz und -nachfrage, die nachlassenden Touristenströme das Wohl von Einzelhandel wie Hotellerie und Gastronomie beeinträchtigen, wünschen sich die Unternehmen eine kulturelle Belebung des öffentlichen Raums. Events und Attraktionen im öffentlichen Raum sollen helfen, wieder mehr Leute anzuziehen. Das setzt allerdings Ressourcen voraus, und die schneidet der Senat gerade drastisch zurück. Das trifft nicht nur die Kulturschaffenden, sondern eben auch den öffentlichen Raum und damit: ganz Berlin.
Mein Engagement am Leopoldplatz hat gezeigt: Kulturelle Belebung macht öffentliche Räume sicherer und bringt Menschen im Kiez zusammen. Ich setze mich dafür ein, dass die Finanzierung für diese Projekte erhalten bleibt und wir die Erfolge am Leo nachhaltig verstetigen können.