Vielfalt als Stärke
Während weltweit Kriege und Konflikte zunehmen, setze ich mich für ein friedliches, respektvolles und gleichberechtigtes Zusammenleben in Mitte ein. Hier leben Menschen aus über 170 Ländern mit unterschiedlichen Sprachen, Religionen – aber auch Erfahrungen und Lebensentwürfen. Gerade in Zeiten, in denen Vielfalt in Frage gestellt wird, gilt für mich: Vielfalt ist keine Herausforderung, die wir bewältigen müssen – sie ist unsere Stärke. Sie erweitert unser Denken und unsere Möglichkeiten. Sie ist eine Chance für eine offene, gerechte, kreative Stadt, in der alle ihren Platz finden.
Wenn wir Vielfalt stärken und sichtbar machen, stärken wir auch den Zusammenhalt und gestalten Zukunft. Daran arbeite ich jeden Tag – gemeinsam mit vielen engagierten Menschen. Auf institutioneller Seite gehören in Mitte dazu der Integrationsbeirat, ein telefonischer Dolmetschdienst, mehrsprachige Informationen, Beauftragte für Frauen, für Menschen mit Migrationsgeschichte, für Religion und Vielfalt, für Menschen mit Behinderungen sowie einen Queerbeauftragten. Und wir haben die multikulturelle AG Geschichte ins Leben gerufen, die die Sichtweisen von Zugewanderten auf unsere Geschichte mit einbezieht. Zudem veranstalten wir regelmäßig Moscheedialoge.
Zeichen setzen – konkret und sichtbar
Stefanie Remlinger
Vielfalt zu stärken heißt für mich, die Lebensrealität aller Menschen sichtbar zu machen – im Alltag politischen Handelns und meiner Arbeit als Bürgermeisterin. Deshalb haben wir muslimische und alevitische Grabflächen auf unseren Friedhöfen ausgewiesen. Deshalb feiern wir Einbürgerungsfeiern, auch wenn die Zuständigkeit beim Land liegt. Deshalb feiern wir gemeinsam Feste über Religionsgrenzen hinweg – vom Fastenbrechen im Ramadan bis zu Chanukka und Weihnachten. Am Rathaus Tiergarten leuchtet im Ramadan dann der Schriftzug „Ramadan Kareem“ – und im kommenden Jahr wird er ergänzt durch „Happy Chanukka“ und „Frohe Weihnachten“. Das ist gelebter Respekt – sichtbar und verbindend.
Decolonize!
Für und mit der Schwarzen Community entwickeln wir eine neue Erinnerungskultur, die koloniale Kontinuitäten sichtbar macht. Gemeinsam wollen wir mehr positive Geschichten erzählen, einen Gedenk- und Lernort schaffen und den Austausch mit bestehenden und neuen afrikanischen Partnerstädten zu stärken.
Besonders viel Aufmerksamkeit hat die Umbenennung der „M-Straße“ in Anton-Wilhelm-Amo-Straße ausgelöst. Auf Vorschlag der Schwarzen Community wurden vor allem Straßen und Plätze im Afrikanischen Viertel umbenannt – mit dem Ziel, koloniale Bezüge kritisch zu hinterfragen und zu überwinden. Die historischen Namen in der Debatte – egal ob als zu streichender oder neu zu findender Name – werden in Gutachten des Mitte-Museums beleuchtet. So entstanden der Duala-Manga-Bell-Platz, die Cornelius-Fredericks-Straße, die Maji-Maji-Allee, die Anna-Mungunda-Allee. Auch am S-Bahnhof Wedding wurde ein wichtiges Zeichen gesetzt: Der frühere Nettelbeckplatz trägt heute den Namen Martha-Ndumbe-Platz – benannt nach einer Schwarzen Frau.
Stefanie Remlinger
Zusammenhalt zeigen – gerade jetzt!
Ich bin für das tägliche Engagement Vieler sehr dankbar – zum Beispiel den Moscheegemeinden, Kirchen, Unternehmen und Initiativen, die gemeinsam das Fastenbrechen auf dem Leopoldplatz möglich machen. Oder meiner Parteikollegin Silke Gebel, die nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in der Brunnenstraße das Bündnis Rosenthaler Vorstadt gegründet hat, um das Signal zu senden, jüdisches Leben gehört in die Mitte unserer Gesellschaft.
Ein besonderer Ort ist das wunderbare House of One – ein Leuchtturm für die Zusammenarbeit der drei großen monotheistischen Weltreligionen, für allseitigen Frieden und Toleranz.
Unsere Haltung: Zusammenhalt statt Spaltung
Zusammenhalt, Miteinander, Solidarität – das sind keine Phrasen, sondern Grundlage unserer Demokratie. Gerade in Zeiten von Rechtsruck, Populismus, Gegeneinander und Ausgrenzung brauchen wir Orte, die das Gegenteil leben. Mitte ist so ein Ort.
Die Worte des Bundeskanzlers zum „Stadtbild“ haben Viele verletzt. Sie werfen uns zurück in Zeiten, von denen wir dachten, sie seien längst vorbei. Umso wichtiger ist es, positive Geschichten zu erzählen – über das, was längst funktioniert, längst normal ist und längst selbstverständlich gelebt wird. Und das mache ich auch weiterhin – mit euch und Ihnen zusammen.