Ich werde häufig auf die Digitalisierung angesprochen. Formal liegt die Zuständigkeit vollständig beim Senat. Leider zeigt sich immer wieder, dass dort die konkrete Arbeit in den Bezirken nicht ausreichend bekannt ist oder respektiert wird. Anders lassen sich viele der gravierenden Fehler der vergangenen Jahre kaum erklären.
Ein besonders problematisches Beispiel ist die digitale Akte. Sie wurde über viele Jahre hinweg entwickelt, ohne die Fachverfahren mitzudenken – also genau die Programme, mit denen unsere Ämter täglich arbeiten. Es fehlen bis heute zentrale Schnittstellen. Dabei liegt hier die größte Effizienzreserve überhaupt. In den bezirklichen Verwaltungen werden jeden Tag zehntausende Vorgänge bearbeitet. Ohne funktionierende digitale Prozesse bleiben Papierberge, unnötiges Einscannen und Ausdrucken und Frustration.
Ich habe dieses Thema mit Nachdruck bei der neuen Chief Digital Officer des Landes Berlin, Staatssekretärin Martina Klement, platziert. Inzwischen gibt es die Zusage, für die zehn größten Fachverfahren Schnittstellen zu schaffen. Das ist ein wichtiger Schritt – aber wir verlieren Zeit, die wir eigentlich nicht mehr haben.
Denn das Spannungsfeld wird immer größer: Wenn wir nicht deutlich schneller und besser werden, verlieren wir den Anschluss. Das betrifft nicht nur Effizienz, sondern ganz konkret unsere Zukunftsfähigkeit – vor allem bei der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden. Junge Fachkräfte erwarten zeitgemäße digitale Arbeitsplätze. Wer mit veralteten Systemen, fehlenden Tools und umständlichen Prozessen arbeiten soll, entscheidet sich im Zweifel gegen den öffentlichen Dienst.
Besonders deutlich wird das in unserem New‑Work‑Prozess. Moderne Arbeitsformen wie mobiles Arbeiten, Teamarbeit über Standorte hinweg oder flexible Arbeitszeiten lassen sich nicht mit analogen Strukturen und überforderten IT‑Systemen umsetzen. Gleichzeitig sind wir gezwungen, sämtliche IT‑Produkte über den landeseigenen Dienstleister ITDZ zu beziehen, der seit Langem an seine Grenzen stößt. Die Folge: elementare Werkzeuge wie elektronische Arbeitszeiterfassung oder zeitgemäße Kollaborationstools fehlen.
Deshalb haben wir entschieden, an einigen Stellen pragmatisch voranzugehen und notwendige Lösungen direkt am Markt zu beschaffen. Wenn Berlin eine leistungsfähige, attraktive und zukunftsfeste Verwaltung will, dann muss Digitalisierung endlich vom lästigen Sonderprojekt zur zentralen Arbeitsgrundlage werden. Alles andere können wir uns nicht mehr leisten.